Ein Fairer Handel aber viele Hintergründe


Ein Bericht aus Südafrika (Infoabend mit anschließender Diskussion)



Am 23. Februar 2016 war der Seminarraum im Süd-Nord-Kontor sehr gut besucht. Hans-Christoph Bill, der Fair-Handelsberater für Hamburg und Schleswig Holstein, berichtete vom Fairen Handel aus der Praxis: Im November 2015 besuchter er gemeinsam mit Fairhandelsberater_innen aus anderen Bundesländern 20 Projekte in Südafrika und Swasiland. In seinem Vortrag schilderte er sehr eindrücklich die Entstehungsgeschichten, Ziele und Schwierigkeiten von vier Projekten:


  • Gone Rural, ein Frauenprojekt in Swasiland, in welchem Körbe und Untersetzer aus gefärbtem Gras und Sisal geflochten werden,
  • Suntoy, eine Werkstatt in Johannesburg, die solarbetriebene Laternen bauen,
  • All Women Recycling, ein Frauenprojekt in Kapstadt, das aus gebrauchten Plastikflaschen kleine Schachteln produzieren und
  • Heiveld, eine Kleinbauernkooperative, die Rooibos Tee auf den Zederbergen anbaut.


An dem Abend wurde deutlich, dass Fairer Handel nicht gleich Fairer Handel ist. Jede_r Produzent_in und jedes Produkt hat eine ganz eigene Geschichte zu erzählen, auf die mit individuellen Handelskooperationen reagiert werden muss. Dies wird vor allem durch die Fair Handels Importorganisationen, wie Gepa, El Puente oder dwp ermöglicht, da diese durch persönliche Kontakte individuelle Abkommen vereinbaren können.

Es ist auffällig, dass in vielen der besuchten Werkstätten oder Kooperativen die Geschäftsführer_innen zur gut betuchten weißen Mittelschicht zählen. Die von ihnen aufgebauten Werkstätten beschäftigen vornehmlich Menschen mit dunkler Hautfarbe und sorgen so für ein geregeltes Einkommen und zum Teil auch für Weiterbildungsmöglichkeiten. Dies zeigt, dass auch zwanzig Jahre nach der Apartheit die Strukturen immer noch nicht aufgebrochen sind und die Machtverhältnisse häufig noch dieselben wie vor zwanzig Jahren sind. Der Faire Handel kann hier helfen, um Organisationen und Projekte, in denen es um Empowerment geht, zu stärken.

Eine Besonderheit stellte daher die Kooperative Heiveld dar, in der sich 70 Kleinbauern zusammengetan haben, um als demokratisch organisierte Kooperative fair gehandelten Rooibos Tee zu vertreiben. Die Kooperative ist sowohl Naturland Fair als auch Fairtrade zertifiziert. Im Fokus der Kooperative steht die Stärkung der Kleinbauern und –bäuerinnen. Ein wichtiger Aspekt dabei sind die Auswirkungen des Klimawandels auf den Tee, dem durch Beratung zu Anbau und Bewässerung begegnet wird. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Zugang zu Land, welches immer noch vor allem in weißer Hand ist und das schwer und teuer zu kaufen ist. Hierzu wurde nun ein Projekt mit Lemonaid und ChariTea gestartet, um die Anbaufläche der Kooperative vergrößern zu können. Weitere Infos: hier.